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Zitate
Sammlung von Äusserungen zu den Themen Existenzmitteilung, Raum, Informationsästhetik und Konkrete Poesie ••• Existenzmitteilung"In den Schriften von Kiekegaard erfolgt sozusagen die Einsetzung der Philosophie der Existenz, deren Überzeugungen sich weniger in "Objektmitteilung", d.h. in der Mitteilung objektiver Sachverhalte vollzieht, sondern eben in "Existenzmitteilung", d.h. in der Mitteilung der subjektiv-existentiellen Äußerungen eines menschlichen Daseins in Fleisch und Blut und Raum und Zeit wie die Termini Kiergegaards heißen. [...] Es handelt sich um eine Art von Prosa, die sich sowohl zwischen Wissenschaft und Literatur wie auch zwischen Literatur und Philosophie schiebt und den Stil der persönlichen inneren Erfahrung zu verbinden trachtet mit dem Stil der unpersönlichen, sachlichen Feststellung."
¬ Max Bense in Was ist Existenzphilosophie, 1951
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"Die Welt, die wir bewohnen, ist eine technische Welt. Es ist die Welt der Prozesse, Funktionen, Luftlinien und Stationen, die Welt der Maschinen und Kalküle, der Getriebe, Geräusche, Werke und Transmissionen, die Welt der Techniker, Physiker, Fachleute. (...) Die technische Intelligenz kann nur Bestand haben, wenn der freie, einsame, schöpferische Mensch noch eine Realität besitzt, weil gerade die technische Welt sich durch die Schöpfungen der Intelligenz erhält. Aber dieser geistige Mensch der Freiheit, der Einsamkeit und der Schöpfung ist kein Luxus, sondern Generator, notwendiges Lager der unablässigen Umdrehung der Dinge. (...) Man existiert in der technischen Welt dadurch dass man "funktioniert", dass man "in Funktion" ist, dass man eine Funktion darstellt"
¬ Max Bense in Technische Existenz, 1949
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"Indirekte Mitteilung heißt, daß bei stärkstem Klarheitsdrange und allem Suchen nach Formen und Formeln kein Ausdruck zureichend ist und der Mensch sich dessen bewußt wird, heißt die Einstellung, daß alles Kommunizierte, das direkt da, sagbar ist, letzthin das Unwesentliche, aber zugleich indirekt Träger des Wesentlichen ist. (...)
Die indirekte Mitteilung, d.h. also die Erfahrung des Direkten als eines Mediums, in dem noch ein Anderes wirkt, ist etwas, als ob hier das Leben selbst kommuniziere. Kierkegaard nennt die indirekte Mitteilung jedoch geradezu "Existenzmitteilung."
¬ Serge Blenner
••• Raum"Aller Raum ist maßlos, und diese ewige, freie Maßlosigkiet macht ihn schön. Aber da überfällt uns die furchtbare Paradoxie des Raumes: Er selbst ist gestaltlos, leiblos, farblos und unsichtbar um uns gelegt, und doch geschieht alles Gestalten nur, weil es den Raum gibt, und doch ist nur dort Leib und Blick, Licht und Sichtbarkeit, wo auch Raum ist."
¬ Max Bense in Raum und Ich, Berlin 1934
••• #informationsästhetikInformationsästhetik"Die Mathematisierung geisteswissenschaftlicher Disziplinen nimmt ständig zu. Vor allem die Entwicklung der Kybernetik hat diesen Prozess enorm beschleunigt. (...)
![]() Die Informationsästhetik ist durch die Anwendung der mathematischen Informationstheorie auf ästhetische Vorgänge gekennzeichnet. Kunstwerke bzw. ästhetische Gegenstände werden unter dem Aspekt der Nachricht gesehen, die das Kunstwerk als Zeichenträger einem konsumierenden Empfänger vermittelt bzw. die der produzierende Künstler durch die auswahl spezieller Zeichenkombinationen aus seinem Repertoire realisiert. Die Informationsästhetik betrachtet also nicht nur das Kunstwerk selbst, sondern auch die Relation zwischen produzierendem Künstler und Kunstwerk und die zwischen Kunstwerk und Betrachter"
¬ Manfred Kiemle in Ästhetische Probleme der Architektur unter dem Aspekt der Informationsästhetik, Quickborn 1967
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"Diese moderne Ästhetik ist keine Interpretationsästhetik, sondern eine Ästhetik, die den Versuch macht, das, was wir in der bezeichneten Weise als "schön", "nicht schön", "hässlich", "nicht hässlich" oder dergleichen bestimmen können, als objektiv feststellbar voraussetzen. Sie ist also eine Art Feststellungsästhetik; das soll heissen, daß das, was wir als Aussagen über Kunstwerke oder Designobjekte festhalten, feststellbar ist in der gleichen Weise, wie der Mineraloge die Zusammensetzung eines Minerals feststellt und nicht etwa interpretiert."
¬ Max Bense in 'Einführung in die Informationsästhetik', Vortrag Recklinghausen am 06. Juli 1965
•••• Konkrete Poesie"Natürlich ist die Untersuchung eines beliebigen Sprachkörpers, sei es nun eine wissenschaftlicher oder ein literarischer, vom Standpunkt der Anordnung seiner Elemente immer eine technologische Untersuchung. Man muss nur festhalten, daß ein wissenschaftlicher Sprachkörper ebenso der Mitteilung dient wie der literarische Sprachkörper. Wahrheit wird ebenso mitgeteilt wie Schönheit, und so fungieren sowohl Erkenntnis wie Darstellung als Medien der Mitteilung. Dadurch, daß Sie Mitteilung sind, bedeuten Erkenntnis und Darstellung Wiederholungen im Geiste des Seins."
¬ Max Bense in Literaturmetaphysik, Stuttgart 1950
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"es handelt sich um eine poesie, die weder den semantischen noch den ästhetischen sinn ihrer elemente, etwa der wörter, durch die übliche bildung linear und grammatisch geordneter kontexte erzeugt, sondern dabei auf visuelle und flächige konnexe reflektiert. nicht das nacheinander der wörter im bewusstsein ist also das ursprüngliche konstruktive prinzip dieser art von poesie, sondern ihr miteinander in der wahrnehmung. das wort wird nicht in erster linie als intentionaler bedeutungsträger verwendet, sondern mindestens darüber hinaus auch als materiales gestaltungselement, aber so, dass bedeutung und gestaltung einander wechselseitig bedingen und ausdrücken. simultanität der semantischen und ästhetischen funktion der wörter auf der grundlage gleichzeitiger ausnützung aller materialen dimensionen dieser sprachlichen elemente, die selbstverständlich auch als zerbrochene erscheinen können, in silben, laute, morpheme oder buchstaben, um die ästhetischen zustände der sprache in ihrer abhängigkeit von deren analytischen wie synthetischen möglichkeiten auszudrücken. In diesem sinne deckt erst das prinzip der konkreten poesie den materialen reichtum der sprache auf."
¬ Max Bense in konkrete poesie international, Stuttgart 1965
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